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Die Kellergassen

Idyllische Kellergasse im Weinviertel
Idyllische Kellergasse im Weinviertel
(Reg. Weinkomitee Weinviertel/R.Herbst)

Bereits eingangs wurde auf eine Besonderheit verwiesen, die vor allem für das Weinviertel typisch ist – die Kellergasse. Neben dem Weinviertel findet man sie nur noch in den Weinbaugebieten von Traismauer, Bruck an der Leitha und dem daran angrenzenden Nordburgenland. Vereinzelte Kellergassen bestehen noch in angrenzenden Gebieten  Südmährens, des Südburgenlandes sowie Ungarns.

Wann die Kellergassen aufkamen, darüber herrscht kein Konsens. Einige Nachrichten deuten darauf, dass Vorformen im Weinviertel aber bereits im Spätmittelalter existierten. Architektonische Hinweise bei Zehentkellern wie auch bei anderen großen Kellern, die besser gestellten Besitzern gehörten, reichen bis in die Renaissancezeit zurück.
Die Anlage der meisten Kellergassen erfolgte ca. zwischen 1600 und 1900, besonders viele wurden im 19. Jahrhundert angelegt.

Mehr Einigkeit herrscht hingegen bei den Gründen, die zur Anlage von Kellergassen führten – und das waren vor allem wirtschaftliche. Meist wurden die Kellergassen auf – mit heutigen Worten gesprochen – Gemeindebesitz (Überländgründe, Allmende, Burgfried) erbaut – nur die Keller selbst gehörten dem jeweiligen Besitzer. Besonders vorteilhaft war es, dass die Kellergassen viel näher an den Weingärten lagen als die Höfe, wodurch Transportwege verkürzt wurden. Außerdem wurden sie ja in die Lehmböden und Lösswände gegraben, die im Dorfgebiet nicht immer vorhanden waren. Auch wird vermutet, dass so die Grundherrschaft die Weinmenge wesentlich besser kontrollieren konnte, auf deren Grundlage die Abgaben gefordert wurden.

Bei der Anlage der Kellergassen richtete man sich nach den natürlichen Gegebenheiten, die das Graben der Keller erleichterten, wie den durch den Verkehr von Jahrhunderten eingetieften Hohlwegen, den „Loahmgstetten“ und den Hanglagen. Auch spielte freilich eine möglichst vor Überschwemmungen sichere Lage eine Rolle.

Obwohl die Kellergassen ein kleinräumiges Phänomen bilden, finden sich auch hier noch so manche Unterschiede. So sind sie im westlichen und nördlichen Weinviertel, allem voran im Pulkautal, wirklich die „Dörfer ohne Rauchfang“, die oft kilometerweit außerhalb der Orte liegen. Im südöstlichen Weinviertel hingegen wurden die Kellergassen meist als Fortsetzungen von Seitenstraßen und „Hintausgassln“ am Ortsrand angelegt.

Auch die Keller selbst unterliegen regional differenzierten Eigenheiten. Als Beispiel seien hier nur die Türen erwähnt, durch die man in die dem eigentlichen Keller vorgelagerten Presshäuser oder zumindest „Vorhäusl“ betritt. Hier findet sich oft noch eine typische Einrichtung des südöstlichen Weinviertels, vor allem des ehemaligen Gerichtsbezirkes Wolkersdorf und der Gerichtsbezirke Gänserndorf und Zistersdorf – das Gärgitter. Es ist meist dem linken Flügel der Tür vorgelagert, während sich auf dem rechten das Schloss befindet, auf dessen Beschlag sich mitunter auch das Erbauungsjahr des Kellers findet, wenn es nicht am hölzernen Türgrad eingeritzt ist. Das Gärgitter ermöglicht das Entweichen der Gärgase, ohne dass man die Türe unverschlossen lassen müsste. Während noch südlicher, um Stammersdorf und Hagenbrunn oft beide Türhälften vergittert waren, fehlt diese praktische Einrichtung je weiter man in den Norden und Westen des Weinviertels kommt immer häufiger. Eine Besonderheit des nördlichen Weinviertels bilden hingegen Keller, die Ähnlichkeiten mit den herrschaftlichen Schüttkästen aufweisen und mehrere über der Erde angelegte Geschoße besitzen, wo das Erntegut gelagert werden konnte, um nur zwei Beispiel dafür herauszugreifen. 

Heute haben die Kellergassen ihre ehemalige Bedeutung weitgehend verloren. Einige erfahren durch Kellergassenfeste und dergleichen eine weitere touristische Nutzung erfahren. Damit konnte ein Stück typisches Weinviertel gerettet werden.

(Quellenangaben)